DAS SZARKOWSKI PRINZIP
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Das Szarkowski Prinzip

EIKON in Kooperation mit Shift School for Photography | Eine neue Veranstaltung für die Zukunft der Fotografie

Wie eine historische Idee zu einem neuen Modell für die Förderung fotografischer Langzeitprojekte wird: Was braucht eine fotografische Arbeit, damit aus einem guten Projekt eine bekannte künstlerische Position wird? Und was brauchen Fotograf*innen am Beginn eines langen künstlerischen Weges, um Bekanntheit zu erlangen?  Diese Fragen stehen am Anfang des Szarkowski-Prinzips, eines neuen internationalen Portfolio-Review-Formats, das vom 13. bis 15. Mai 2027 erstmals in Wien stattfinden wird.

Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Aufgabe eines zeitgenössischen Portfolio Reviews: Nicht nur zu zeigen, was bereits sichtbar ist. Sondern das sichtbar zu machen, was noch entdeckt werden muss.

Die Idee ist inspiriert von John Szarkowski, der von 1962 bis 1991 die Photography Department des Museum of Modern Art (MoMA) in New York leitete und die Geschichte der Fotografie im Museum maßgeblich prägte. Szarkowski war nicht nur Kurator, Autor und Ausstellungsmacher. Er entwickelte eine besondere Form des Sehens: die Suche nach fotografischen Positionen, die eine eigene visuelle Logik und eine unverwechselbare Haltung erkennen ließen.

Im Kern von Szarkowskis Haltung stand eine ebenso einfache wie folgenreiche Idee: Eine fotografische Position sollte möglichst früh mit einem Museum in Berührung kommen. Man könnte diese Haltung in einer Frage zusammenfassen, die sinngemäß über Szarkowskis mit den Arbeiten ihm unbekannter Fotograf*innen stand:„Bist du bereit für das MoMA?“ Diese Frage meinte nicht: Bist du bereits bekannt genug für ein Museum? Sie meinte vielmehr: Ist deine Arbeit so weit entwickelt, dass sie einer institutionellen Öffentlichkeit standhalten kann? Erst wenn ein(e) Fotograf(in) diese Frage für sich beantworten konnte, bekam die Einreichung eines Portfolios eine andere Bedeutung. Damit veränderte Szarkowski zugleich die Funktion seines Museums. Das MoMA sollte nicht ausschließlich der Ort sein, an dem bereits anerkannte Künstler*innen im Nachhinein bestätigt wurden. Es wurde zu einem Ort der frühen Entdeckung und Förderung einer künstlerischen Position.

Heute sind Portfolio Reviews ein etabliertes Instrument der internationalen Fotoszene. Fotografinnen treffen auf Kuratorinnen, Museumsdirektorinnen, Herausgeberinnen, Galeristinnen und Sammlerinnen und erhalten in kurzer Zeit Feedback zu ihrer Arbeit.

Warum diese Idee heute wieder relevant ist: Mehr als drei Jahrzehnte nach Szarkowskis Zeit am MoMA hat sich die Situation grundlegend verändert. Noch nie wurden so viele Fotografien produziert und veröffentlicht. Noch nie waren Bilder so unmittelbar zugänglich. Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, innerhalb dieser enormen visuellen Produktion diejenigen Arbeiten zu erkennen, die über den Moment hinausweisen, die herausragend sind und ein hohes Potential haben Kunst-und Fotografie Geschichte zu schreiben. Viele Fotograf*innen arbeiten über Jahre, manchmal Jahrzehnte, an einem Projekt. Ihre Arbeiten entstehen nicht aus der Logik einzelner Bilder, sondern aus einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit einem Thema, einer gesellschaftlichen Realität oder einer persönlichen Erfahrung. Doch gerade diese Langzeitprojekte benötigen Zeit, ein qualifiziertes Feedback und besondere Aufmerksamkeit. Zwischen der Entstehung eines Projekts und seiner institutionellen Wahrnehmung existiert häufig eine Lücke. Eine Fotograf*in kann über Jahre eine außergewöhnliche Arbeit entwickeln, ohne dass die richtigen Menschen außerhalb des eigenen unmittelbaren Umfelds Zugang zu diesem Werk bekommen. Das soll sich mit der neuen Veranstaltung „Das Szarkowski-Prinzip“ nun ändern.

Das neue Format in Wien versteht das Portfolio Review deshalb nicht primär als Networking-Veranstaltung oder als schnelle Abfolge von Präsentationsterminen. Im Mittelpunkt steht die Entdeckung eigenständiger künstlerischer Positionen. Ausgewählte Fotograf*innen aus unterschiedlichen Ländern stellen ihre Langzeitprojekte vor Ihre Portfolios werden im Vorfeld gezielt auf die Interessen und Fachgebiete der eingeladenen Reviewerinnen abgestimmt. Damit verändert sich die klassische Logik eines Portfolio Reviews: Nicht die größtmögliche Zahl von Begegnungen steht im Vordergrund, sondern Qualität. Die Reviewer*innen kommen aus internationalen Institutionen, Museen, Sammlungen, Publikationen, Ausstellungsräumen und dem kuratorischen Feld der Fotografie. Sie bringen unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen mit.

Langfristigkeit statt kurzfristiger Aufmerksamkeit. Das Szarkowski-Prinzip richtet sich bewusst gegen eine Kultur der schnellen Sichtbarkeit.

Das Szarkowski-Prinzip versteht sich ausdrücklich nicht als historische Rekonstruktion des MoMA-Modells. Die Bedingungen der Fotografie haben sich verändert, ebenso die Institutionen, Produktionsweisen und Formen der künstlerischen Öffentlichkeit.

Und wer ist bereit, diese Arbeiten heute anzusehen? Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Aufgabe eines zeitgenössischen Portfolio Reviews: Nicht nur zu zeigen, was bereits sichtbar ist. Sondern das sichtbar zu machen, was noch entdeckt werden muss. Das Szarkowski-Prinzip versteht die fotografische Förderung deshalb als eine Form des genauen Sehens – und als Einladung, gemeinsam an der Zukunft der Fotografie zu arbeiten.

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