2026/07
EIKON #133 | INSTABILITY | GLITCH ECOLOGIES
Künstler*innen: Antonis Anagnostou | Gertrud Fischbachr | Katherine Hubbard | Onyeka Igwe | Katharina Kiening | Dorit Margreiter Choy | Riitta Päiväläinen
Autor*innen: Thomas Ballhausen | Daniel Blochwitz | Patrizia Feichter | Wolfgang Giegler | Esther Heltschl | Eero Karjalainen | Elena Peytchinska | Gudrun Zacharias
Sprachen | Deutsch / Englisch
Format | 280 x 210 mm
ISBN | 978-3-904083-27-0
112 Seiten
Preis: € 18,00 (inkl. 10% USt)
In einer von Bildern durchdrungenen Gegenwart, in der zunehmend fotografisch anmutende, auf maschinellem Lernen basierende Bilder kursieren, wird deren kritische Lektüre zur Schlüsselkompetenz: Es braucht medienreflexives Wissen, ein Verständnis der Techniken und die Einsicht, dass das Fotografische nie objektiv ist oder war. Bilder sind stets Konstruktionen – und müssen hinterfragt werden.
Franziska Kunze | Pinakothek der Moderne, München
INHALT
SCHWERPUNKT | INSTABILITY – GLITCH ECOLOGIES
THE GLITCH TO COME – DIE ZUKUNFT DES FEHLERS | Elena Peytchinska
IM RABBIT HOLE DER BILDSTÖRUNGEN. ÜBER GLITCH, RAUSCHEN UND UNSCHÄRFE | Patrizia Feichter im Gespräch mit Franziska Kunze
INSTABILE SYSTEME. ÜBER GERTRUD FISCHBACHER UND KATHARINA KIENING | Thomas Ballhausen
PORTFOLIO
RIITTA PÄIVÄLÄINEN – Gudrun Zacharias
ANTONIS ANAGNOSTOU – Gudrun Zacharias
AUSSTELLUNGEN
SOMMER WIRD’S – EIN NEUES FESTIVAL FÜR MEDIENKUNST IN NIEDERÖSTERREICH – Wolfgang Giegler
ANOTHER PARADISE IS POSSIBLE. – Daniel Blochwitz
VOM ERINNERN UND VERSCHWINDEN – KATHERINE HUBBARD UND ONYEKA IGWE IN DER WIENER
SECESSION – Gudrun Zacharias
BEGEGNUNGEN ZWISCHEN METAPHER UND ANRUFUNG – Eero Karjalainen
WEG VOM SCHWARZ-WEISS-DENKEN: BRUNO DECHARMES FOTO BRUT SAMMLUNG IM
FOTO ARSENAL WIEN – Patrizia Feichter
REFLEXION IM RAUMLABYRINTH – Esther Heltschl
HEILENDE FOTOGRAFIE? FOTOGRAFIE UND DAS ANDERE AUF DER TRIENNALE DER PHOTOGRAPHIE IN HAMBURG – Esther Heltschl
COLLECTOR’S EDITION | NEUERSCHEINUNGEN | TIPPS & MELDUNGEN | AUTOR*INNEN | IMPRESSUM
Diese Spur des Unsichtbaren und Verborgenen trassiert im Kontext der generativen KI ein neues Terrain. Die Black Box, die die Logik digitaler Glitches verhüllt, verschleiert auch den Weg, der zu erratischen Outputs großer Sprachmodelle – zu den sogenannten Halluzinationen – führt.
Elena Peytchinska
EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser!
Instabilität ist zu einem Schlüsselbegriff unserer Gegenwart geworden. Politische Systeme geraten ins Wanken, ökologische Gleichgewichte verschieben sich, technologische Entwicklungen verändern in immer kürzeren Abständen die Bedingungen unseres Zusammenlebens. Was gestern noch als stabil erschien, offenbart sich heute als fragiles Gefüge. Instabilität ist dabei nicht bloß ein Zustand der Krise, sondern zunehmend die Bedingung, unter der Wirklichkeit erfahren wird.
Diese Ausgabe nähert sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Im Zentrum stehen Fragen nach den ästhetischen, gesellschaftlichen und medialen Formen des Instabilen. Wie reagieren Fotografie und Medienkunst auf eine Welt, deren Ordnungen brüchig geworden sind? Welche Bilder entstehen dort, wo Gewissheiten verschwinden und Systeme ihre Ränder offenbaren?
Ein Bezugspunkt ist dabei das Konzept der Glitch Ecologies. Der Glitch, einst als technischer Fehler verstanden, wird hier als produktive Störung lesbar – als Moment, in dem verborgene Strukturen sichtbar werden und neue Zusammenhänge entstehen. Mehrere Beiträge dieser Ausgabe widmen sich diesem Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, zwischen technologischer Ordnung und ihrem Scheitern. Der Glitch verweist dabei nicht allein auf digitale Systeme.
Auch analoge Verfahren kennen Störungen, Verschiebungen und produktive Fehler. Instabilität erscheint in dieser Ausgabe daher als ein weit gefasster Zustand, der technische Prozesse ebenso betrifft wie Erinnerungen, Biografien und gesellschaftliche Wirklichkeiten. So führt beispielsweise die Besprechung von Katherine Hubbards derzeit in der Wiener Secession gezeigter Serie The Great Room eindringlich vor Augen, wie sich Identität und Erinnerung unter den Bedingungen von Demenz verändern. Andere Beiträge beschäftigen sich mit künstlerischen Positionen, die auf politische Umbrüche, kulturelle Verschiebungen oder ökologische Fragilität reagieren – von der Kyiv Biennial in Berlin über die Phototriennale Hamburg bis hin zu Fast ein Paradies, im Museum Rietberg in Zürich, das den Verbindungen zwischen kolonialer Geschichte, kultureller Imagination und der Konstruktion paradiesischer Vorstellungen nachgeht.
Auch die beiden Portfolios dieser Ausgabe bewegen sich entlang der Achse zwischen Stabilität und Instabilität. Die Arbeiten von Riitta Päiväläinen erscheinen wie rätselhafte Fragmente zwischen Landschaft, Erinnerung und Abwesenheit. Antonis Anagnostous Serie Playfields hingegen zeigt Orte, die in einer zunehmend unübersichtlichen Welt beinahe als Fixpunkte erscheinen. Seine Fußballfelder in der trockenen griechischen Landschaft verweisen auf Räume gemeinsamer Regeln und kollektiver Orientierung – eine Assoziation, die angesichts der aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft besondere Resonanz entfaltet.
Vielleicht ist Instabilität weniger das Gegenteil von Ordnung als vielmehr eine Bedingung von Veränderung. Die in diesem Heft versammelten Positionen verweisen darauf, dass gerade in Brüchen, Verschiebungen und Unschärfen neue Formen der Wahrnehmung entstehen können. Denn nicht selten werden die Konturen der Gegenwart dort sichtbar, wo Gewissheiten ins Wanken geraten.
Gudrun Zacharias
EIKON, Juni 2026
DANK AN
Alle Expert*innen für ihre Statements zur Fotografie
ART DIRECTION & DESIGN
Martin Hassler
ÜBERSETZUNG
Urška Longer





![ADAM BROOMBERG & OLIVER CHANARIN, The Press Conference, June 9, 2008. photo: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Margarita Platis © VG Bild-Kunst, Bonn 2023. WILLIAM HENRY FOX TALBOT, Untitled [The Oriel Window, South Gallery, Lacock Abbey]](https://new.eikon.at/wp-content/uploads/2026/06/133_glitch.jpg)





